Agentur no_milk///no_honey 01.10.2003 30.12.2003

Die Agentur "no_milk///no_honey" leistet Aufklärungsarbeit, womit ausländische Menschen in Österreich zu rechnen haben: "korrekte" Abschiebung (Tod von Marcus O.), "korrekte" medizinische Betreuung (Tod von Cheibani W.) und "korrekte" Amtshandlung (Erschießung von Imre B.).

Eine Anfang Oktober 2002 in Kraft getretene Verordnung des österreichischen Innenministeriums hat die Situation der Asylsuchenden in Österreich dramatisch verschärft. Flüchtlingen aus bestimmten Ländern bekommen keine Bundesbetreuung mehr, d.h. keine Unterkunft, keine Verpflegung und keine medizinische Betreuung - bei gleichzeitigem Arbeitsverbot. Das ab Mai 2004 in Österreich geltende Asylgesetz verschärft die Situation weiter durch menschenrechtswidrige Bestimmungen wie z.B. die Möglichkeit der Abschiebung von Flüchtlingen trotz laufendem Berufungsverfahren.

Obdachlosigkeit von AsylwerberInnen, Schubhaft von Minderjährigen, nächtliche Abschiebungen von Schwangeren und Übergriffe der staatlichen Organe häufen sich. Marcus O. wurde bei der Abschiebung erstickt, Cheibani W. starb durch Mißhandlungen bei der Festnahme, Imre B. wurde bei einer Hausdurchsuchung erschossen, ....

Die Agentur "no_milk///no_honey" wurde von Social Impact am 21. Oktober 2003 in Graz gegründet, um mit unkonventionellen Methoden diese Zustände zu thematisieren. Die Agentur besteht derzeit aus 26 ehrenamtlichen Mitgliedern, die aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen kommen. Im Zentrum der Aktivitäten steht eine Infokampagne, die vorgibt das Innenministerium zu unterstützen und sich an ÖsterreicherInnen und TouristInnen als MultiplikatorInnen wendet.

ÖsterreicherInnen die eine Auslandsreise antreten werden ersucht, die Infomaterialien an ihren Urlaubsorten weiter zu geben, ausländische Gäste in Österreich werden ersucht, die Infomaterialien in ihr Heimatland mitzunehmen. Damit wird der Versuch unternommen, eine grössere Zielgruppe mit Informationen zu versorgen, wie es mit konventionellen Kampagnen möglich wäre. Durch das scheinbare Korrelieren von Aufmachung und Inhalt wird erst durch die Auseinandersetzung mit dem Inhalt dessen Indifferenz ersichtlich und eine persönliche Positionierung herausgefordert.


Arbeitssitzung der Agentur


Verteilung der Folder in Zügen


Dispenser stehen an Tankstellen


Verteilung am Flughafen Graz

Die Erstauflage des Folder von 4.000 Stück wurde folglich an Orten wie Flughafen Graz, Hauptbahnhof Graz oder Touristenmagneten wie Kunsthaus oder Murinsel verteilt. Alle EmpfängerInnen der Broschüre sind gezwungen sich zu positionieren, indem sie entweder das in der Broschüre gezeichnete Österreichbild weitertransportieren oder die Broschüre verschwinden lassen und damit auch die geschilderten Übergriffe mitverschweigen helfen. Egal wie sie handeln, eine Positionierung ist unumgänglich.

Gerade im Kontext der Kulturhauptstadt Graz mit ihrer Bemühung um Selbstdarstellung und Identitätsproduktion ist die Arbeit der Agentur "no_milk///no_honey" von besonderer Bedeutung und Brisanz.

Projektteam:
Andreas Brandstätter, caro, Daniela Deutsch, Hermi + Ria Grabner, Mr. Ryan Hard, Aloisio Huber, Laila Huber, Petra Kickenweitz, Ulli Leikermoser, Franziska Leitinger, Christian M., Mathias, Angelina Morhart, Bettina Musger, ana nanda, Friwella Paples, Eva Rasky, Röha, Ludwig Rosenlechner, Harald Schmutzhard, Walter Seidl, Stefan, Ernst Floh Strasser, Karin T., Robert Tendl

        

       




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