border rescue 20.06.2002 30.10.2004

Westeuropa macht die Grenzen dicht. Flüchtlinge ertrinken im Meer oder in Grenzflüssen, sie erfrieren bei nächtlichen Grenzübertritten, ersticken in Containern oder begehen Selbstmord in Abschiebegefängnissen. Social Impact begibt sich an die Grenze zwischen Österreich und Tschechien um auf diese dramatischen Geschehnisse aufmerksam zu machen. Günstige Fluchtrouten nach Österreich werden recherchiert und sollen im Anschluss an die Aktion als herunterladbare "Wanderführer" mit Karten und Hintergrundinfos im Internet verfügbar sein.

Flüchtlinge ertrinken im Meer oder in Grenzflüssen, sie erfrieren bei nächtlichen Grenzübertritten, ersticken in Containern oder begehen Selbstmord in Abschiebe-gefängnissen. Die "Festung Europa" wird immer stärker abgeschottet. Der Preis, den die Flüchtlinge bezahlen müssen, um in die "Festung" hineinzugelangen, wird immer höher. Das Amsterdamer Institut "UNITED for Intercultural Action" hat seit 1993 die Schicksale von 5.017 Menschen dokumentiert, die beim Versuch nach Europa einzuwandern gestorben sind.

Im Vorfeld des EU-Gipfel von Sevilla (Juni 02), bei dem Staats- und Regierungschefs über schärfere Kontrollen der Migrationsströme und den Einsatz des Militärs gegen Flüchtlinge berieten, startete das Kunstprojekt "border rescue", um auf die steigenden Todesfälle an den Grenzen Europas aufmerksam zu machen. Für den Aktionszeitraum von einer Woche recherchierte Social Impact an der EU-Außengrenze zwischen Österreich und Tschechien um Gefahrenstellen zu dokumentieren, "sichere" Fluchtrouten zu suchen (mittels GPS-Daten, Videosequenzen, Fotografien, Karten) und Verhaltenstipps für Flüchtlinge in der Praxis zu erarbeiten.

Die Rechercheergebnisse sind im Internet unter http://border-rescue.social-impact.at/ veröffentlicht. Handliche Routenführer zur Einwanderung können ausgedruckt werden, Infos zur Asylsituation in Österreich, Todesfällen an der EU-Außengrenze und allgemeine Hinweise zu Einwanderung und Fluchthilfe werden angeboten.


Rechercheteam an der Grenze A/CZ


Grenzübertritt in der Nähe von Wullowitz


Karte einer von 11 Routen


Routenbeschreibung inkl. Karte

"border rescue" versteht sich nicht nur als aktionistischer Protest gegen eine rigide Einwanderungspolitik der EU die das Migrationsproblem nur einer scheinbaren Lösung zuführt, sondern auch als subversive Strategie um die vereinfachten Erklärungsmuster der Politik zu unterlaufen. Das Projekt fand europaweites Echo, zahlreiche Medienberichte in F, D, A und SL fungierten als Transmitter.

Seit der Präsentation der Website im Rahmen der ARS Electronica 2002 wurden weitere Produkte entwickelt. Ausgehend von den Videos der Grenzüberschreitungen wurden Videoinstallationen erarbeitet, die mit einem Soundtrack versehen sind, der aus den Geräuschen von Herzfehlern gesampelt wurde. Diese Videoinstallationen waren in unterschiedlichen Versionen bereits in Los Angeles, London, Nijmwegen, Luxembourg, Hamburg, Berlin, Dresden, München, Krakow, Larochette, Linz, Graz und Belgrad zu sehen.

Die Publikation “Ein_Wanderführer" für ImmigrantInnen wurde Mai 2004 aufgelegt. Das Buch beinhaltet neben genauen Wegbeschreibungen Verhaltenstipps für MigrantInnen, Karten, Höhen-profile und Fotografien.

„One Safe Way into the Fortress Europe“, das neueste Produkt des Projektes „border rescue“ hat nun die Kinos erreicht. Der "werbespot" hat eine Länge von 2 Minuten 15 Sekunden und wird im Vorprogramm von Arthouse-Cinemas eingesetzt.


Videoinstallation bei der Europäischen Kulturhauptstadt Graz 2003


Erstpräsentation des Ein_ Wanderführers im OK-Centrum für Gegenwartskunst


Videostill aus "One Safe Way into the Fortress Europe"



Projektteam:
Konzept, Recherche der Fluchtrouten: Harald Schmutzhard
Webdesign: Stefan Amerstorfer
Grafik: Stefan Amerstorfer, Harald Schmutzhard
Redaktion: Harald Schmutzhard
Videoaufnahmen, Schnitt: Natalia Müller
Sounddesign: Andre Zogholy (egotrip)




 Verein für Kunst und Aktionsforschung

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