Stammtischgeflüster 30.05.2008 29.06.2008
Karikatur von Andrea Maria Dusl

Stammtischgeflüster ist ein Projekt des Kunstvereins Social Impact in Kooperation mit den KarikaturistInnen Andrea Maria Dusl, Gerhard Haderer, Anna-Maria Jung und Ulf Kossak. Auf humorvolle Weise wird die Kehrseite von sportlichen Großveranstaltungen wie der Fußball EM 2008 thematisiert. Als Medium dienen Bierdeckel mit Karikaturen, Fakten und Hintergrundinformationen zu Themen wie Rassismus, häusliche Gewalt und Homophobie im Fußball

Sportliche Großveranstaltungen werden häufig als Auslöser für Harmonie und Völkerverständigung dargestellt. Doch die Kehrseite und damit einhergehenden Konflikte und Probleme werden in der Öffentlichkeit gerne verdrängt. Erwiesenermaßen sind sportliche Großveranstaltungen Keimzellen für Gewalt, Rassismus, Homophobie und Sexismus. Speziell im Fußball sind die Probleme bekannt: Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fans, dramatischer Anstieg der Vergewaltigungen während der WM in Deutschland, vermehrte häusliche Gewalt und Alkoholmissbrauch sind nur einige Beispiele einer langen Liste.

Stammtischgeflüster nimmt sich dieser Problemfelder an und thematisiert sie auf humorvolle Weise. In vielen österreichischen Lokalen liegen während der EURO 2008 Bierdeckel mit Zeichnungen arrivierter KarikaturistInnen und NachwuchskünstlerInnen auf, die Zeichnungen ermöglichen eine Zugang zu den angesprochenen Konfliktfeldern mit einem Augenzwinkern. Die Rückseite der Bierdeckel bieten Fakten und Hintergrundinformationen zu den angesprochenen Themen an. Stammtischgeflüster zeigt Konflikte auf und macht sie öffentlich. Durch diese Sensibilisierung wird ihnen entgegen gewirkt, eine Reflexion angeregt. Um diese Wirkung auch dort entfalten zu können wo viele dieser Konfliktwurzeln entstehen, geht Social Impact mit dem Projekt Stammtischgeflüster direkt an die Wirtshaustische. Durch die Verwendung des Bierdeckels als Massenmedium wird eine wirksame Präsenz am Ort der lokalen Meinungsbildung oder Vorurteilsfortschreibung („am Stammtisch“) sichergestellt.

KarikaturistInnen und Themen

Andrea Maria Dusl, Wien: Homophobie im Fußball - Gerhard Haderer, Linz: rasche Einbürgerung von Sportlern - Anna-Maria Jung, Graz: Anstieg der häuslichen Gewalt bei Sportveranstaltungen - Ulf Kossak, Linz: Rassismus im Stadion


Einbürgerung von Sportlern

Karikatur von Gerhard Haderer zum Thema Einb�rgerung  

Normalsterbliche warten mindestens 6 Jahre auf ihre Einbürgerung. Jahrelang Integrierte werden abgeschoben, 2007 hat sich die Zahl der Einbürgerungen um fast 50% verringert. Erhofft sich der Staat Österreich aber einen Nutzen, werden SpitzensportlerInnen von einem Tag auf den anderen österreichische StaatsbürgerInnen.

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 7)

Der Ministerrat kann per Beschluss Personen die außerordentliche Leistungen auf sportlichem, künstlerischem, wirtschaftlichem oder wissenschaftlichem Gebiet erbracht haben, unabhängig von allen Fristen jederzeit einbürgern. Normalsterbliche haben dagegen eine Wartezeit von bis zu zehn Jahren. In der Zwischenzeit bauen sie sich eine neue Existenz in Oesterreich auf, die Kinder gehen hier zur Schule. Dann endlich kommt der Asylbescheid: Ene Mene Mu. Jahrelang integrierte Familien werden abgeschoben oder auseinandergerissen.

In Österreich gelten die Menschenrechte leider nicht für alle. Daten der Statistik Austria besagen, dass sich 2007 die Zahl der Einbürgerungen beinahe halbiert haben. Aufgrund des restriktiveren Staatsbürgerschaftsrecht, das seit 2006 die Wartefrist vor allem bei „privilegierten“ Gruppen (Flüchtlinge, EU-Bürger, Ehepartner) verlängert hat, haben 2007 um 46,5 Prozent weniger Menschen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten als im Jahr davor. 2006 waren es noch 26.259 Personen, 2007 nur noch 14.041. Auffällig ist auch, dass 35,6 Prozent unter den Eingebürgerten bereits in Oesterreich geboren sind.

Vgl: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/einbuergerungen/index.html

Weiterführende Links:

Beratung fuer MigrantInnen:
http://www.caritas.at/
http://www.diakonie.at/
http://www.volkshilfe.at/
http://www.zara.or.at/
http://www.migrant.at/
http://www.wequam.at/
http://www.asyl-in-not.org
http://www.ehe-ohne-grenzen.at
http://www.asyl.at/
http://www.unhcr.at/
http://www.grüne.at/dahamisdaham/

Informationen zum Thema Staatsbürgerschaft:
http://www.bka.gv.at/site/infodate__18.02.2008/5913/default.aspx#id27854
http://www.help.gv.at/Content.Node/26/Seite.260400.html
http://volksgruppen.orf.at/diversity/Stories/83070/
http://www.10bl.grüne.at/recht/bg-staatsbürgerschaft.doc

Homophobie

Karikatur von Anna-Maria Jung zum Thema Homophobie  

Die Fußballzeitschrift Rund geht davon aus, das auf Grund des durchschnittlichen Vorkommens von Homosexualität mindestens 3 schwule Teams in den beiden deutschen Bundesligen spielen müssten. Wegen der Schwulenfeindlichkeit hat sich aber noch kein Fußballprofi geoutet.

„Ich würde keinem Profi raten sich zu outen. Der soziale Druck wäre nicht auszuhalten.“ Corny Littmann, Vereinspräsident FC St. Pauli

Ein offener und toleranter Umgang mit Homosexualität ist vor allem im sportlichen Bereich nicht so selbstverständlich wie er sein sollte. Unüberlegt wird davon ausgegangen, dass alle Fußballspieler heterosexuell sind. Das Thema Homosexualität im Profifußball wird einerseits verdrängt und andererseits stark emotionalisiert.

Homophobie findet man auf allen Ebenen, in den Vereinen und Verbänden, bei aktiven Spielern, im Publikum und nicht zuletzt in den Medien. Homophobe Äußerungen von Trainern und Spielern und schwulenfeindliche Fansprechchöre erhöhen den Druck auf homosexuelle Spieler enorm.

Beispiele für Homophobie im Profifußball vom früheren Trainer der österreichischen Nationalmannschaft Otto Barić:

„Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich.“ (Otto Barić in: Blick 2004)

„Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“ (Otto Barić in: Jutarnji List)


Weiterführende Links:

Ausführlicher Artikel zum Thema Homophobie und Fußball: http://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie
http://de.wikipedia.org/wiki/Justin_Fashanu
http://derstandard.at/?url=/?id=2618068
http://www.rund-magazin.de/cmsms/news/24/15/



Rassismus im Fußball

Karikatur von Ulf Kossak zum Thema Rassismus  

Rassismus im Fußball ist ein ständiger Begleiter migrantischer SpielerInnen. Die Übergriffe reichen von „Monkey Chats“, rassistischen Transparenten und Sprechchören bis zu Aus-grenzungen von MigrantInnen unter Funktionären und Fans.

„Rassismus stellt mit das größte Problem für den Fußball in Europa dar. Die Leute denken vielleicht, das Problem wäre verschwunden. Das stimmt aber nicht. Die Spieler auf dem Rasen brauchen die Unterstützung aller Fans, damit die Rassisten niedergestimmt und ihnen gezeigt wird, dass ihre Aktivitäten nicht toleriert werden.“ (Thierry Henry, Arsenal London)

Migrantische Fussballspieler, egal ob im Profi- oder Amateurbereich, werden ständig mit Rassismus konfroniert. Von ausländerfeindlichen Transparenten und Sprechchören bis hin zu struktureller Ausgrenzung durch Funktionäre.

Die Initiative FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel. wurde 1997 gegründet. FairPlay führt seitdem mit Verbänden, Vereinen, Fanclubs, MigrantInnen- und Jugendorganisationen Aktivitäten gegen Diskriminierung im österreichischen Fußball und Sport durch. Unter den Titeln FairPlay goes Education und EUROSCHOOLS 2008 ist FairPlay zudem im Schulbereich aktiv. Gefördert von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit setzt FairPlay einen weiteren Schwerpunkt auf Öffentlichkeits- und Bildungsprojekte im Bereich Sport und Entwicklung.

http://fairplay.vidc.org/


Weiterführende Links:

Fußball gegen Rassismus
http://www.amballbleiben.org/
http://www.farenet.org/
http://www.flutlicht.org/
http://www.netz-gegen-nazis.com/
http://www.kickitout.org/
http://kultureninbewegung.vidc.org/
http://www.vidc.org/

Fußball, Migration, Rassismus
http://science.orf.at/science/news/151264
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,409048,00.html

Anstieg häuslicher Gewalt


Karikatur von Anna-Maria Jung zum Thema h�usliche Gewalt 

Wie Studien aus Deutschland und England im Zuge der WM zeigen, nimmt die Gewalt in Familien nicht nur während der Weihnachtsfeiertage zu, sondern auch rund um sportliche Großereignisse.

„... steigt die Zahl der Vorfälle häuslicher Gewalt an Tagen an denen ein Fußballspiel stattfindet, sogar um bis zu 30 Prozent.“ (Die Presse, 10. April 2008)

Für Frauen und Kinder ist es im eigenen zu Hause weitaus gefährlicher als auf der Strasse, denn 90 Prozent der Gewalttaten werden im Familien- und Bekanntenkreis verübt. In Österreich ist in etwa jede fünfte Frau Opfer physischer Gewalt durch ihren Partner. Die Hälfte aller österreichischen Eltern geben zu, ihre Kinder aus Erziehungsgründen zu schlagen.

Nicht nur während der Weihnachtsfeiertage, auch bei sportlichen Großveranstaltungen steigt das Gewaltaufkommen innerhalb der Familie. Laut Studien des britischen Innenministeriums steigt die Zahl der Vorfälle häuslicher Gewalt an Tagen, an denen ein Fußballspiel stattfindet, um bis zu 30 Prozent. Bei fast 40 Prozent der Fälle war auch Alkoholeinfluss festzustellen.

Die Sozialwissenschaften gehen davon aus, dass, je größer eine Veranstaltung ist, desto mehr Gewaltausschreitungen und Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen sind.

Vgl: http://www.gemeinsamgegengewalt.at/familie.html
http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro2008/375688/index.do
http://kärnten.orf.at/stories/262005/
http://wien.orf.at/stories/281384/

Wenn Sie Opfer von Gewalt sind, wenden Sie sich an die Frauenhelpline 0800 – 222 555. Dort erhalten Sie kostenlos und anonym psychosoziale Krisenberatung und rechtliche Informationen. Die Helpline ist nicht nur für direkt Betroffene eingerichtet, sondern auch für Personen die in ihrem Umfeld Verdacht auf Gewalt gegen Frauen und Kinder schöpfen. http://www.frauenhelpline.at/


Weiterführende Links: 

Für Frauen:
Hier finden Sie Links zu allen Frauennotrufnummern Österreichs: http://www.Frauennotrufe.at/cms/

Gewalt an Kinder und Jugendliche:
147 - Notrufnummer für Kinder und Jugedliche, die Hilfe brauchen: http://rataufdraht.orf.at/
psychosoziale und juristische Prozessbegleitung: http://member.ycn.com/~prozess/
Kinder- und Jugendanwaltschaft: http://www.kija.at/


Für Männer, die keine Gewalt mehr anwenden möchten:
http://www.euline.net/


FördergeberInnen:

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 Verein für Kunst und Aktionsforschung

A-4020 Linz, Elisabethstr. 1

office(at)social-impact.at

Tel. ++43 (0) 732 - 773 142 - 33

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